Guido Grau

Digitalisierung: Läuft! Innenminister Strobl macht Station in Denkendorf

Schlaues Trikot aus Denkendorf misst die Vitalparameter der Läufer

Digitalisierung: Läuft! Dies ist der Leitsatz der sportlichen Veranstaltung, zu der der Marathonläufer und ehemalige Vize-Weltmeister Jürgen Mennel Unternehmen, digitale Start-ups, Kommunen und Technologie-Netzwerke eingeladen hat. Das Event verbindet Sport mit Informationen und Austausch rund um das Thema Digitalisierung und ist der Auftakt der Open-Innovation Plattform. Fünf Läufer der DITF waren dabei, als am 27. Juli 2018 in Stuttgart der Startschuss fiel.

Mennel organisiert den Lauf im Rahmen der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg. Er führt in drei Etappen von Stuttgart über Reutlingen, Karlsruhe und Kehl nach Straßburg.

Foto: DITF

Der Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl war bei der ersten Etappe dabei. Nach dem Start am Fraunhofer IAO an der Universität machten der Minister und Mennel auch bei den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung in Denkendorf Station.

Nach der Begrüßung durch Vorstand Peter Steiger und den stellvertretenden Vorstand und Leiter des Bereichs Biomedizintechnik, Professor Michael Doser, zeigten Wissenschaftler der DITF Beispiele ihrer interdisziplinären Forschung zum Thema Digitalisierung und Industrie 4.0.

Bereits beim Lauf kam das in Denkendorf entwickelte Sensorische T-Shirt zum Einsatz, das die Vitalparameter von Läufern erfasste. Die anschließende Auswertung der Daten am Bildschirm machte deutlich, wie sich Herzfrequenz und EKG des Hochleistungssportlers Mennel von den Werten eines „normalen“ Hobbysportlers unterscheiden.

Das smarte Textil kann nicht nur beim Sport eingesetzt werden, sondern auch bei allein lebenden älteren Menschen oder in Schutzkleidung, zum Beispiel für Feuerwehrleute. Intelligente Technik alarmiert im Notfall Hilfe.

Die Möglichkeiten, in welche Textilien Sensorik integriert wird, sind vielfältig. Ein Handschuh überprüft Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Herzrate, Atmung und Körpertemperatur und löst Alarm aus. Sensorische Socken warnen Diabetiker, wenn der Druck auf einzelne Regionen des Fußes zu groß wird und beugen auf diese Weise Druckgeschwüren vor. Mit intelligenter Technik ausgerüstete Wundverbände überwachen und beeinflussen die Feuchtigkeit in der Wunde, bekämpfen Infektionen und fördern die Regeneration des Gewebes.

Foto: DITF

Ein weiteres Thema der Denkendorfer Forscher sind textile Schalter. Wenn sie mit dem Finger berührt werden, ändert sich der elektrische Widerstand, was elektronisch erfasst und als Schaltsignal verwendet wird.

Sensoren in Faserverbundwerkstoffen, wie sie zum Beispiel in Fahrzeugen oder modernen Bauwerken eingesetzt werden, können Verformungen und Schädigungen frühzeitig erkennen.

Moderne Sicherheitsmarkierungen schützen vor Plagiaten. Dabei wird mit einem Inkjet-Drucker ein „Datamatrixcode“ aufgedruckt, der für das Auge nicht zu erkennen ist und erst mit einer Infrarot-Lampe sichtbar gemacht wird. Auch die Oberflächen von Textilien können zukünftig direkt per Digitaldruck funktionalisiert werden. Spezielle Tinten wirken wasserabweisend oder elektrisch leitend.

Die DITF sind auch Partner des Kompetenzzentrums „Textil vernetzt“ der bundesweiten Initiative Mittelstand 4.0. Im Rahmen dieser Initiative wurde an den DITF ein Schaufenster gestaltet, das „Digitalisierung“ greifbar und erlebbar macht. Schwerpunktthemen sind die voll vernetzte, integrierte Produktionskette „Simulate, Print and Cut“, die automatisierte Herstellung von „Smart Textiles“ und „Leichtbau-Textilien“ mit lichtlenkenden Beleuchtungsfunktionen.

Minister Strobl zeigte sich sehr beeindruckt von den viefältigen textilen Möglichkeiten in der Digitalisierung. Als Erinnerung konnte er ein am gleichen Tag aufgenommenes Portrait von sich mitnehmen – natürlich mit moderner digitaler Technik auf Textil gedruckt.

Ansprechpartner

Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf

Sabine Keller
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49(0)711 9340-505
E-Mail: sabine.keller@ditf.de

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Schlaue Textilien helfen im Notfall

DITF Denkendorf forschen an Assistenzsystemen für ältere Menschen

Foto: DITF

Technologien für „Ambiente Assisted Living“ (Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben – AAL) bieten hier eine große Chance. Sie sorgen in der gewohnten Umgebung für mehr Sicherheit und verringern damit die Angst vor Stürzen, Unfällen oder anderen Situationen, die ältere Menschen nicht mehr meistern können.

In dem Projekt “Integration von AAL-Technik zur Notfallerkennung in die häusliche Umgebung” untersuchen DITF Denkendorf, Fraunhofer IPA und FZI Forschungszentrum Informatik, wie durch intelligente Technik medizinische Notsituationen zuverlässig erfasst und automatisch Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden können. Dabei werden nicht nur direkte Hinweise wie Stürze oder veränderte Vitaldaten, sondern auch indirekte Hinweise ausgewertet, zum Beispiel, wenn eine Person über längere Zeit bewegungslos bleibt oder sich anders als gewohnt verhält. Da ein Notruf automatisch abgesetzt wird, ist das System auch für Menschen mit Demenz geeignet.

Der Projektpartner DITF überprüft dabei, wie sich die Theorie in die Praxis umsetzen lässt. Gemeinsam mit Senioren, diakonischen Diensten und der Bauwirtschaft wurde festgelegt, welche Anforderungen die technischen Assistenzsysteme im Einsatz erfüllen und wie die Sensoren und die intelligente Kleidung beschaffen sein müssen und es wurde die nötige Infrastruktur bereitgestellt. Mit Unterstützung eines Bekleidungsherstellers haben die DITF sensorische intelligente Achselhemden entworfen und gefertigt, die Senioren, die im Bruderhaus Diakonie in unterschiedlich betreuten Wohnsituationen leben, testen. Die Meinung der Probanden ist positiv: die Unterhemden seien unauffällig zu tragen und helfen, sich im Alltag sicher zu fühlen. Das System wird derzeit noch ohne Online-Verbindung erprobt. Die Anbindung an die vorhandene Notruf-Infrastruktur ist der nächste Schritt der Testphase.

In einer alternden Gesellschaft werden Systeme wie Ambiente Assisted Living immer wichtiger. Deshalb fördern das Sozialministerium, das Wissenschaftsministerium sowie das Finanz- und Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg das Projekt.

Ansprechpartner

Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf

Dr. Michael Haupt
Leiter E-Textilien, Automatisierung, Schalltechnik
Tel.: +49(0)711 9340-279
E-Mail: michael.haupt@ditf.de

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